Wie schreibt man ein Buch – die 10 besten Tipps von einer Schreibtrainerin

Wer ein spannendes, und vor allem ein gutes Buch schreiben will, muss vieles beachten. Angefangen beim Ausarbeiten eines guten Plots; einem guten Bucheinstieg, der den Leser fesselt; Spannung und Dramatik erhalten bis zum Ende des Buches, damit der Leser es nicht beiseite legt; bis hin zu interessante Figuren, die das Thema auf wirkungsvolle Weise darstellen. Gerade Autoren, die an ihrem ersten Buch arbeiten, geraten oft in eine Schreibblockade, weil das eine oder andere ihnen Mühe macht.

Aus diesem Grund gibt euch Denise Fritsch, Autorin und Schreibtrainerin, die besten Tipps, wie man ein gutes Buch schreiben kann. Frau Fritsch begleitet seit Jahren Autoren beim Schreiben und hilft, aus den Ideen im Kopf ein veröffentlichungsreifes Manuskript zu machen.

 

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Denise Fritsch

Liebe Frau Fritsch, was ist das wichtigste am Anfang eines neuen Buches? Was sollte als erstes gemacht werden? Und wann ist eine Idee für ein Buch wirklich gut, so dass es sich lohnt es zu schreiben?

Jeder Autor arbeitet anders, es gibt nicht die Methode, wie man ein Buch beginnt. Es gibt Drauflosschreiber, die sofort mit dem Schreiben beginnen, und die Planer, die den Plot, die Figuren etc. erst einmal mehr oder weniger gründlich ausarbeiten. Beide Herangehensweisen haben ihre Vor- und Nachteile, wobei die Plotplanung für viele Schreibende sicherlich der erfolgreichere Weg ist.

Insbesondere Anfänger, die einfach drauflosschreiben, bleiben oft mittendrin stecken, weil sie nicht mehr weiter wissen. Sie wissen weder vor noch zurück und so gesellt sich das angefangene Schreibprojekt früher oder später zu den anderen, nie beendeten Projekten.

Was am Anfang und während eines Schreibprojektes nicht unterschätzt werden sollte, ist die Recherche. Ein Roman lebt von Details, die nur mit einer gründlichen Recherche in eine Geschichte eingebunden werden können.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass eine Idee dann wirklich gut ist, wenn man als Autor dafür „brennt“. Wer eine Leidenschaft für sein Schreibprojekt entwickelt, wird mit Freude daran schreiben und das Manuskript auch fertigstellen. Diese Begeisterung überträgt sich schließlich auf die Leser.

 

Wichtig ist es, eine individuelle tägliche Schreibroutine zu entwickeln. Was können Sie hier empfehlen?

Die Erfahrungen vieler Autoren zeigen: Wer regelmäßig schreibt, bleibt im Thema, findet leichter ins Schreiben, entwickelt seinen Schreibstil und beendet selbstbewusst seine Schreibprojekte. Ich habe aus diesem Grund „Schreib täglich“ entwickelt, ein 30-tägiges Übungsprogramm, mit dem man eine tägliche Schreibroutine ausbilden kann. Die unterschiedlichen Aufgaben zeigen, dass bereits kleine Veränderungen im Schreiballtag dazu führen, motivierter und kreativer zu sein. Mir haben mittlerweile schon einige Autoren geschrieben, dass sie bereits nach kurzer Zeit wieder mehr Spaß am Schreiben hatten.

Wer eine tägliche Schreibroutine entwickeln möchte, sollte folgendes beachten:

  1. Setze dir Ziele. Wenn du nicht weißt, warum du eigentlich schreiben möchtest, wirst du dich nicht aktiv darum bemühen, dir tatsächlich regelmäßig Zeit zum Schreiben zu nehmen.
  2. Weniger ist mehr. Die täglichen Schreibübungen meines Programms dauern nicht länger als 15 Minuten. Die Schreibzeit zu begrenzen ist ein einfacher Trick aus der Schreibberatung, um unseren inneren Schweinehund zu überlisten.
  3. Nimm dich und das Schreiben wichtig und versuche täglich etwa zur selben Zeit zu schreiben. Ein fester Schreibtermin vereinfacht es, eine Routine zu etablieren.

 

Was sind Ihre besten 3 Tipps zur Gestaltung des Plots?

  1. Arbeite mit einer Prämisse. Sie dient als Ausgangspunkt für die weitere Gestaltung des Plots.
  2. Sei flexibel: Die Planung eines Plots ist äußerst sinnvoll, doch man sollte sich nicht zu starr an einmal gemachte Vorgaben halten. Neue Ideen können und dürfen eingebaut werden.
  3. Nutze ein Storyboard, um deinen Roman möglichst übersichtlich zu plotten. Blake Snyder (Rette die Katze. Das ultimative Buch übers Drehbuchschreiben. Autorenhaus Verlag, Berlin, 2015, 208 Seiten (19,99 Euro). ISBN: 978-3-86671-128-0) nutzte das Board als eine Art Visualisierungstafel, um Szenen, Handlungsbögen und andere Elemente auszuprobieren, Fehler zu erkennen und auszumerzen.

 

Was ist wichtig zu beachten beim Entwickeln der Figuren?

Ich empfehle für jede Figur einen Lebenslauf zu erstellen und sie zu interviewen. Natürlich widmet man dabei der Hauptfigur die größte Aufmerksamkeit, doch auch Nebenfiguren sollten nicht vernachlässigt werden. Auf diese Weise entwickelt man als Autor/in mehr Gefühl für eine Figur und kann sie lebendiger und authentischer erscheinen lassen.

 

Wie kann es gelingen, die Spannung im gesamten Buch aufrechtzuerhalten?

Die Spannung lässt sich durch drei wesentliche Elemente aufrechterhalten:

  1. Figuren, die scheitern und sich entwickeln dürfen
  2. Konflikte, Konflikte, Konflikte
  3. Dialoge, die die Handlung voranbringen

 

Das Prinzip „Show don’t tell“ gilt als eine der wichtigsten Empfehlungen beim Bücherschreiben. Was versteht man darunter?

Show don’t tell, also Zeigen, nicht erzählen, ist ein Mantra, das wirklich jeder Autor beherzigen sollte. Es besagt, dass man nicht einfach nur von etwas erzählt oder berichtet bzw. den Charakter einer Figur beschreibt, sondern zeigt:

Wenn man ausschließlich erzählt, dass sich Lisa unwohl fühlt, Rita verliebt ist und Torben ein Zocker ist, wird man den Lesern schnell langweilen. Er wird sich kein Bild von dieser „Tatsache“ machen können.
Wenn wir dagegen die Sinne des Lesers ansprechen, eine „Tatsache“ über Dialoge und Handlung transportieren, wecken wir das Interesse des Lesers. Er wird sich vorstellen können, wie beispielsweise eine Figur oder eine Situation ist.

Statt also einfach zu erzählen: „Torben sitzt den ganzen Tag vor seinem Computer und zockt.“, zeigt man dem Leser durch ein paar Bilder, wie Torben als Zocker lebt: vielleicht trägt er eine alte, wabbelige Jogginghose, vielleicht stapeln sich alte Pizzakartons vor seinem Sofa. Der Autor sollte sich fragen: Wie sieht das Sofa aus? Ist die Stelle, wo Torben sitzt, besonders abgenutzt? Wie riecht Torben? Wie sieht sein Zimmer/seine Wohnung aus? All diese Dinge können wir einfließen lassen, um nicht zu erzählen, sondern zu zeigen, dass Torben ein Zocker ist.

 

Oft machen spannende Dialoge dem Autor am meisten Probleme bzw. dies wird oft von Lektoren am häufigsten überarbeitet. Welche Tipps können Sie geben?

In meinen Schreibkursen bzw. in meiner Beratungspraxis beobachte ich häufig, dass sich so mancher Autor kaum Gedanken darüber macht, dass Dialoge Funktionen haben. Gespräche oder Gesprächsfetzen werden vollkommen unreflektiert niedergeschrieben. Oft ergeben diese Gespräche zwischen den Figuren für die weitere Handlung keinen Sinn. Stattdessen langweilt sich der Leser aufgrund des belanglosen Geschwafels. Manche Autorinnen und Autoren haben wiederum so großen Respekt vor Dialogen, dass sie sich gar nicht erst trauen, Dialoge einzubauen. Im Extremfall geben sie alles, was gesagt werden müsste, in indirekter Rede wieder. Was den Leser wiederum noch mehr langweilt.

Was aber sind die Funktionen des Dialogs?

Dialoge sollen

  • die Handlung voranbringen,
  • Motive für die Handlung liefern,
  • Informationen, die für den weiteren Verlauf der Handlung wichtig sind, liefern, und/oder
  • die Figur(en) charakterisieren.

Beachtet man diese Punkte in seinen Dialogen, ist man einen großen Schritt weiter.

 

Haben Sie besondere Tipps, wie man die Gefühle aufs Papier bringt?

Ein einfacher Tipp ist, sich während des Schreibens in die Figuren bzw. in die Story hineinzuversetzen. Auf diese Weise gelingt es dem Autor, die eigenen Gefühle in die Geschichte einfließen zu lassen. Ein tolles Hilfsmittel, um sich unmittelbar mit seinen Gefühlen zu verbinden, ist Musik zu hören. Viele Autoren nutzen mit Hilfe der Musik ein Phänomen, das uns im Alltag ständig begegnet: es gibt Lieder, die mich an bestimmte Situationen in meinem Leben erinnern und mich dann ganz besonders fröhlich oder traurig stimmen. Der Psychologe John Booth Davies bezeichnet es als das “Darling, they are playing our tune-Phänomen.

 

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Denise Fritsch arbeitet als freie Autorin, Lektorin und Autorencoach. Sie begleitet und unterstützt Autorinnen und Autoren bei ihrem persönlichen und beruflichen Wachstum und hilft ihnen, sich von negativen Glaubenssätzen und mentalen Blockaden zu befreien und produktiver zu arbeiten. Die zertifizierte Schreibtrainerin bietet Schreibkurse, individuelles Schreibcoaching und lektoriert Texte.

In ihrer Ratgeberreihe “Selbstcoaching für Autoren” sind bisher zwei E-Books erschienen: “Schreib täglich” sowie “365 kreative Schreibimpulse“.

Besuchen Sie Denise Fritsch im Internet:

www.denisefritsch.de

https://schreibretreat.wordpress.com/

https://havaneserbuch.wordpress.com

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