Wie macht man gute Pressearbeit?

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Was macht jeder gewöhnlich? Er sendet unzählige Pressemitteilungen an unzählige Redaktionen per Email. Das ist so, wie wenn man die gleiche Bewerbung an hundert Firmen versendet und hofft, dass jemand anbeißt. Funktioniert das? Nein! Das nennt sich SPAM!

Ganz ehrlich, ärgerst du dich nicht, wenn in deinem Posteingang wieder irgendwelche Emails mit Werbung drin sind und du mindestens fünf Minuten mit löschen beschäftigt bist? Genauso ist das für jemand in der Redaktion. Jeden Tag muss er/sie sich durch den Posteingang wühlen mit unzähligen neuen Emails und alle wollen eine neue Headline werden. Das ist sicherlich irgendwann überhaupt nicht mehr spannend. Wie willst du also mit deiner Pressemitteilung auffallen? Du musst es anders machen als alle anderen, richtig!

Wie stellst du das nun an? Statt zu schreiben, ruf an! Frag dich durch zum Redakteur und finde heraus, ob ihn dieses Thema überhaupt interessiert, bevor du ihm die Email schickst. Schau im Internet nach (Google ist dein bester Freund), ob bereits jemand einen Artikel zu deinem Thema herausgebracht hat und schreib genau diesen Menschen an, ob er auch Interesse an deinem Thema hätte. Finde heraus, wer z.B. einen Blog über das Thema schreibt und kontaktiere den Bloginhaber. Blogger sind in der Regel froh über neue Inhalte und Themen, wenn Sie passend sind. Fällt dir nicht auch etwas ein, wie du anders Aufmerksamkeit erlangen könntest als alle anderen?

Mein persönlicher Tipp: Versende Rezensionsexemplare deines Buches an ausgewählte Redaktionen. Aber wirklich nur an diejenigen, die wirklich Interesse an deinem Buch haben könnten. Der Redakteur freut sich vielleicht über eine neue kostenlose Lektüre und du machst so definitiv einen besseren ersten Eindruck als mit einer unpersönlichen Pressemitteilung im Posteingang. Zugegeben, ist diese Variante der Pressearbeit nicht sehr kostengünstig, aber wenn du z.B. mit 10 ausgesendeten Exemplaren fünf Presseartikel in verschiedenen Medien bekommen würdest, hat sich die Sache für dich schon gelohnt. Denke daran, Presse ist die kostengünstigste Werbung, die du bekommen kannst. Du erreichst damit viele potentielle Käufer und es ist definitiv günstiger als andere Werbemassnahmen!

Mehr Informationen zu Presseverteilern im Internet und Tipps, wie man eine gute Pressemitteilung verfasst, findet ihr auch in meinem Buch: Praxishandbuch Selfpublishing.

Interview mit dem Redakteur, Martin Naß, des fliegermagazins:

Herr Naß, können Sie ein paar Tipps geben, wie eine Pressemitteilung verfasst werden sollte?

Die erste und vielleicht wichtigste Regel ist: Fasse dich kurz! Eine Presse-Information oder Pressemitteilung sollte immer nur eine Seite lang sein, es sei denn, man hat wirklich (wirklichwirklich!!) etwas total Wichtiges mitzuteilen. Oft gibts hinten unten einen Abriss zum Unternehmen: Wenn der länger ist als die eigentliche Nachricht, läuft etwas ziemlich schief.

Zweite Regel: Sag sofort, was du zu sagen hast! Kein Geschwafel, keine langen Erklärungen, sondern nach einer informativen Überschrift sofort im ersten Satz (spätestens im zweiten) die großen W-Fragen beantworten: Worum gehts, wer macht was und wann genau und warum. Dann erst in die Einzelheiten gehen, auf Hintergründe hinweisen.

Noch ein paar Kleinigkeiten:

  • Kontaktmöglichkeiten/Ansprechpartner nennen, für den Fall, dass die Empfänger mehr wissen wollen.
  • Bei Produkten immer den Preis nennen.
  • Nicht ungefragt 30 MB Bilder anhängen.
  • Datum nicht vergessen.
  • Absätze machen, nicht alles in einem Block schreiben.

Was halten Sie allgemein von Pressemitteilungen?

Pressemitteilungen als Kommunikationsmittel sind in jedem Fall wichtig, nach wie vor, egal in welcher Form (okay, bittebitte keine sms, da wäre die Grenze zur Belästigung deutlich überschritten). Ich sammle z.B. für das jeweils aktuelle Heft die Pressemitteilungen, die ich oft erst später richtig lese, wenn ich (meist viel zu spät) noch nach kleinen, mittleren, großen Schnipseln suche, um die letzten Lücken auf unseren Nachrichtenseiten kurz vor Schluss zu füllen.Wenn ich den Absender kenne, weckt eine Presse-Info in jedem Fall meine Aufmerksamkeit. Und wenn sie gut geschrieben ist und wirklich Gehalt hat. Wenn die Information aber lahm ist, hält die Aufmerksamkeit aber auch bei den Größen der Branche nur Sekunden oder sogar nur Bruchteile davon an. Eine übliche Pressemitteilung erreicht mich heute als E-Mail. Faxe scheinen out zu sein, ist aber auch gut so. So spart man Papier, das man nicht mehr wegwerfen muss. Anrufe sind auch prima, können aber schnell nerven, z.B. wenn Leute mir etwas verkaufen wollen und einfach nicht aufhören zu reden und mir nicht zuhören, wenn ich sie stoppen will. Ich kaufe nix am Telefon, und Telefon-Marketing weckt in mir echt schlimmste Phantasien …

Was würde Ihre Arbeit erleichtern?

Die Arbeit würde es erleichtern, wenn die Verfasser von Pressemitteilungen schlicht grundlegende Regeln einhielten (siehe oben). Viele können das, manche aber auch nicht so gut. Da könnte man echt ganz lang aufzählen, was nicht so toll ankommt und letzten Endes nur Zeit verschwendet. Beispielsweise so typisches Marketing-Deutsch oder ausgelutschte Floskeln (“Alles neu macht der Mai”, aaaargh!); da schalte ich schneller ab und weg als man “wuuusch!” denken kann. Manche Unternehmen oder Organisationen machen das aber auch perfekt: Eine große Hilfe ist z.B. der Link zu einem Downloadbereich, auf dem ich hochaufgelöste Pressebilder bekomme, bei denen sogar die Nutzungsrechte geklärt sind. Manchmal weine ich dann vor Rührung (etwa fünf Minuten vor Abgabe, wenn mir noch ein Bild fehlt und der Download sogar klappt!).

Was würde Ihre Aufmerksamkeit wecken?

Große Namen wecken Interesse, coole, witzige Überschriften (kann aber auch schnell nach hinten losgehen; und ich weiß, wovon ich rede ;-)), neue Produkte, die das Leben leichter machen, revolutionäre Neuheiten, all sowas. Aber das ist ja echt selten. Im Normalfall sind die Mitteilungen eher nüchtern und verbreiten erst nach dem Anlesen ihren vollen Zauber – oder eben auch nicht.

 

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